Archiv der Kategorie: Exkursionen/Projekttage

Exkursion Kunst Oberstufe

„Wir müssen der Jugend mehr Gelegenheit geben, während ihrer Ausbildungszeit persönliche Erfahrungen zu machen. Nur wenn wir sie selbst Tatsachen finden lassen, kann Wissen zur Weisheit werden.“  (Walter Gropius)

Am Freitag, dem 12. November 2021, fuhren die Kunstkurse 11 und 12 des Diesterweg- Gymnasiums in Havelberg in das Bauhaus nach Dessau. Zuerst haben wir uns in der Stadt die Meisterhäuser des Bauhauses angeschaut. Es teilten sich immer zwei Meister ein Wohnhaus, bis auf Gropius, der ein eigenes Haus besaß. Danach haben wir das eigentliche Bauhaus von innen und außen besichtigt. Die bekannteste Fassade mit dem Schriftzug konnte man leider aufgrund einer Renovierung nicht anschauen. Während der Führung haben wir durch unseren Gruppen- Guide erfahren, dass es viele Werkstätten innerhalb des Hauses mit den verschiedensten Gewerken gab. Der Leiter, Walter Gropius, besaß zusätzlichen auch ein eigenes Büro, welches auch heute noch besichtigt werden kann. Dort wird in einer Vitrine die berühmte Teekanne von Marianne Brandt ausgestellt. Das Bauhaus folgt dem Motto „Die Form folgt der Funktion“ und dort ist in der Bewegung/Dynamik alles ersichtlich. Dies ist unter anderem auch ein Grund, weshalb es im Bauhaus keine Deko-Elemente an sich gibt, sondern z.B. die Heizkörper an der Wand hängen, obwohl es aerodynamisch gesehen nicht sehr sinnvoll ist.

Nach einer langen Mittagspause besichtigten wir das 2019 neu eröffnete Museum am Mies-van- der- Rohe- Platz, in dem wir sowohl den bekannten Stahlrohr- Stuhl von Marcel Breuer als auch die Wagenfeldlampe und Bestandteile des Triadischen Balletts aus nächster Nähe betrachten konnten, die wir zuvor auch schon im Rahmen des Unterrichts behandelt hatten.

Am Ende des Tages konnten wir sehr viele neue Aspekte als Prüfungsvorbereitung im Bauhaus für uns erkennen und mitnehmen. Den Ausflug kann man als sehr gute Ergänzung zur theoretischen Grundlage auffassen.

Einige Impressionen vom Bauhaus Dessau

Fotos: Ronald Müller

Text: Lara Fuhrmeister, Klasse 12

 

Studienfahrt Strasbourg

Romantische Straße, kleine Boulangerien und ein riesiges Kulturerbe – all das gab es in der wunderschönen Altstadt Strasbourgs zu entdecken. Am Montag, dem 06.09.2021, starteten wir, 11 SchülerInnen der Klassen 11 und 12, unsere Reise mit großen Erwartungen und entsprechender Aufregung. Nach einer zwölfstündigen Busfahrt quer durch Deutschland stellten wir fest, dass sich die lange Anreise definitiv gelohnt hatte. Wir bestiegen direkt das Münster, auf dem wir einen Blick über ganz Strasbourg und auf einen wunderschönen Sonnenuntergang hatten. Nach 330 Stufen auf einer engen Wendeltreppe konnte man nach unserer Fahrt definitiv von einem „Beine vertreten“ sprechen.

Der nächste Tag fing mit einer Altstadt-Führung an, durch die wir etwas über die Historie Strasbourgs erfuhren. Neben dem Gutenberg- und Kleberplatz gibt es auch sehr viele historische Brücken, die alle ihre eigene Geschichte haben. Am Abend luden uns Frau Hermann und Frau Müller ein, um in der „Studentenstraße“ günstig Elsässer Flammkuchen zu essen. Doch in unserer Freizeit verbrachten wir die Abende traditionell, wenngleich wenig französisch inspiriert, bei Mc Donalds oder KFC.

Um mehr über die Geschichte des Elsass‘ zu lernen, besuchten wir die Hochkönigsburg und die Festungsanlage aus dem Ersten Weltkrieg in Fort de Mutzig. Als wir erfahren hatten, dass das Elsass fünfmal zwischen deutscher und französischer Vorherrschaft gewechselt hatte, machten wir es uns zur Wochenaufgabe, es zurückzuerobern… leider ohne Erfolg.

Nachdem wir im vorletzten Schuljahr den Bundestag und den Bundesrat in Berlin besucht hatten, bot sich uns nun die Möglichkeit, das Europa-Parlament zu besichtigen.

Dank Corona wurden wir zwar in unserer Bewegungsfreiheit etwas eingeschränkt, dennoch durften wir dank Frau Müller und Frau Hermann fünf wunderschöne, erlebnisreiche Tage in Strasbourg verbringen – sogar das Wetter spielte mit. Schade, dass eine der schönsten Wochen des Schuljahres nun vorbei ist.

Text: Soraya Damer

Fotos: Katja Müller

 

 

 

 

Exkursion ins Planetarium

Mein Vater erklärt mir jeden Samstag unseren Nachthimmel: „Merkur – Venus – Erde – Mars – Jupiter – Saturn – Uranus – Neptun.“ (Merkspruch für die acht Planeten)

Obwohl es in Corona-Zeiten nicht ganz einfach ist, eine Exkursion genehmigt zu bekommen, hatten wir das Glück, am 01.10.2020 nach Berlin fahren zu dürfen. Dort besuchten wir im Rahmen des Astronomie-Unterrichts das Planetarium und erfuhren viel Wissenswertes über unser Sonnensystem. In einer Computersimulation vollzogen wir die Entstehung der Planeten nach, reisten in bequemen Sesseln wie weiland die Crew des Raumschiffs „Enterprise“ durch Zeit und Raum, vorbei an roten Riesen und weißen Zwergen, wichen schwarzen Löchern aus, betrachteten die Sternbilder „Großer und Kleiner Wagen“ und erlebten den Mondaufgang sehr plastisch mit. Obwohl wir alle in der Nähe des „Sternenparks Westhavelland“ im Lichtschutzgebiet aufgewachsen sind und in klaren Nächten schon oft die Milchstraße gesehen haben, war der Besuch im Planetarium sehr aufschlussreich und hat unser Interesse an diesem Fach noch verstärkt.

Eingang zum Planetarium
Die Begeisterung kennt kaum Grenzen.
Nach dem Besuch bekommt des Lied „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“ eine völlig neue Dimension.

Text und Fotos: Katja Thiele

Skikurs 2020

„Du kannst dir Glück nicht kaufen, aber du kannst Skifahren gehen, und das ist so ziemlich dasselbe.“ T-Shirt-Spruch

Dass Sportunterricht nicht immer in Hallen und auf Plätzen stattfinden muss, er- und überlebten 13 GymnasiastInnen aus Havelberg jüngst beim Skikurs in Speikboden, wo sie lehrplangetreu das Bewegungsfeld „Fahren, Rollen, Gleiten“* absolvierten. Zunächst lernten alle Anfänger, „das Sportgerät selbstständig und variabel bei bewusster Reflexion ausgewählter Bewegungen und Techniken auf dem jeweiligen Medium bei unterschiedlichen Bedingungen wie Untergrund, Gefälle, Steigung, Strömung, Wind, Sonne sicher zu handhaben“, bevor es damit weiterging, „Geschwindigkeiten und Richtungswechsel situativ an(zu)passen und (zu) erleben“. Schon nach wenigen Tagen folgten „ausgewählte Techniken, auch Sprünge und Tricks“, die von einigen fast schon virtuos gehandhabt wurden. „Maßnahmen des Rettens und Bergens“, die leider einige Male ergriffen werden mussten, überließen sie allerdings sicherheitshalber der Bergwacht. Für diejenigen, denen der Schnee nur gute Laune und blaue Flecke bescherte, brachte das Skifahren viele positive Aspekte mit sich. Sowohl Beine als auch Rumpf und verlängerter Rücken wurden gut trainiert, die Balance sicherer und die Fähigkeit, sich ganz und gar auf eine Sache zu konzentrieren, geschult. Die erste Schussfahrt kostete zwar einige Überwindung, aber der Stolz darüber, sich aus seiner Komfortzone begeben und den damit verbundenen Adrenalin-Cocktail genossen zu haben, wirkten geradezu euphorisierend und inspirierten sogar bekennende Nicht-SängerInnen zu musikalischen Einlagen, die beim Apres-Ski nahtlos fortgeführt wurden. Der Skikurs bedankt sich bei dem begleitenden Sportlehrerteam sehr herzlich für den wirklich tollen Unterricht!

*Quelle aller Zitate: Lehrplan für das Gymnasium, Fach Sport

Schicke und zweckmäßige Sportkleidung erhöht die Freude an der Bewegung.
Wenn man schon keine Ski-Stöcke hat, dann hält man sich eben am Pistennachbarn fest.
Fachübergreifender Unterricht: Sport und Musik
Gewöhnungsbedürftig: Jeden Morgen wurde der Pisten-Gott angebetet.
Wenn man sich erst einmal die Übersicht verschafft hat, kann doch kaum noch etwas schiefgehen, oder?
Wir danken dem Erfinder des Schlittens für die Möglichkeit, im Sitzen Skifahren zu können.
Schwarzer Snowboarder auf weißer Piste – so schön können Kontraste sein.

Text: Katja Thiele

Fotos: Ronald Müller

Der Bundesrat – die zweite Kammer

„Je weniger die Leute davon wissen, wie Würste und Gesetze gemacht werden, desto besser schlafen sie.“ Otto von Bismarck

Es ging aber nicht darum, besser zu schlafen, sondern zu erfahren, wie, wo und durch wen Gesetze zustande kommen. Die erste Kammer, den Bundestag, hatten die SchülerInnen der Klasse 9 bereits im Oktober kennengelernt. Am gestrigen Montag besuchten sie nun die Vertretung der Länder in Berlin. Es blieb dabei nicht bei bloßer Betrachtung des leeren Plenarsaals sowie einigen Ausführungen zum Gebäude und zur Arbeitsweise des Bundesrates. Im Anschluss an selbige durften sich die Neuntklässler selbst als PolitikerInnen ausprobieren und in Gestalt der Vertreter der jeweiligen Landesregierungen über die Frage diskutieren, ob der Führerschein mit 16 in der BRD eingeführt werden soll oder nicht. Mit der für diese Institution üblichen Ruhe, Eleganz und dem entsprechenden Sachverstand wurde das Für und Wider abgewägt. Jedes Bundesratsmitglied, das sich zu Wort meldete, wurde hierbei gehört, und es war schon für alle ein bisschen aufregend, dabei an einem Original-Pult zu stehen und ins Mikrophon zu sprechen. Nach mehreren Abstimmungen entschied man sich mehrheitlich für eine modifizierte Variante des vom Bundesverkehrsminister ins Leben gerufenen Gesetzesvorschlags. In der Realität würde dieser Vorschlag nun dem Bundestag zu den drei Lesungen und der abschließenden Beschlussfassung zugeleitet werden. Für uns endete der Prozess an dieser Stelle mit der Erkenntnis, dass Politik interessanter und bürgernäher ist als von manchem vermutet.

Die 3 tanzenden Grazien, zu denen hier aufgeschaut wird, versinnbildlichen, dass sich in der Politik nur dann etwas bewegt, wenn auch das Volk sich rührt. 
Ein leerer Plenarsaal ist nur mäßig interessant…
…schon besser…
Anträge an das Präsidium werden verfasst und begründet.
Der Bundesverkehrsminister ergreift das Wort und hält eine flammende Rede für die Einführung des Führerscheins mit 16.
Prinzipiell stimmt der Ministerpräsident von Niedersachsen zu, aber einige Änderungen möchte er schon berücksichtigt wissen.
Die Ministerpräsidentin von Bayern sieht die Sachlage ganz anders und sorgt für Diskussionen im Bereich Ökologie.
Höchste Konzentration herrschte bei der Schlussabstimmung.

Text und Fotos: Katja Thiele

Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen

„Arbeit macht frei“ Spruch am Eingangstor des KZ Sachsenhausen

„Das KZ Sachsenhausen wurde im Sommer 1936 errichtet. Als Modell- und Schulungslager sowie als Konzentrationslager in unmittelbarer Nähe der Reichshauptstadt nahm das KZ Sachsenhausen eine besondere Stellung ein. Diese wurde dadurch unterstrichen, dass 1938 die „Inspektion der Konzentrationslager“ als zentrale Verwaltungsinstanz für alle Konzentrationslager im deutschen Machtbereich von Berlin nach Oranienburg verlegt wurde.“ (nach https://www.sachsenhausen-sbg.de/geschichte/1936-1945-konzentrationslager-sachsenhausen/  )

Die Jahrgangsstufe 10 besuchte im die Düsternis des Ortes unterstreichenden Monat Dezember die Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen. Vor Ort wurden Vorträge zu Themen wie Dienst in den Arbeitskommandos, Unterbringung und Verpflegung der Häftlinge, pseudomedizinische Versuche an Gefangenen sowie Hinrichtung und Vernichtung durch Arbeit gehalten. Die konkreten Örtlichkeiten vor Augen folgten die Schülerinnen und Schüler den Ausführungen aufmerksam. Von den TeilnehmerInnen wurde die Exkursion später als „einprägsames Erlebnis“ beschrieben, das auch in Bezug auf ihr historisches Verständnis in Erinnerung bleiben wird.

Schülervorträge an historischer Stätte
Das KZ Sachsenhausen wurde in Form eines gleichseitigen Dreiecks errichtet, um die „Geometrie des totalen Terrors“ zu ermöglichen.
Gruppenfoto auf der heutigen Straße der Nationen

Text: Katja Thiele

Fotos: Sabrina Schedler

Effi Briest als Theaterstück

„Mich ekelt, was ich getan; aber was mich noch mehr ekelt, das ist eure Tugend. Weg mit euch. Ich muss leben, aber ewig wird es ja wohl nicht dauern.“ Effi Briest

Theodor Fontane (1819-1898) gilt als einer der wichtigsten Vertreter des literarischen Realismus. Zu seinen bekanntesten Werken zählt der Roman „Effi Briest“, in dem die Geschichte der Elisabeth von Plotho, verh. von Ardenne, künstlerisch bearbeitet wiedergegeben wird. Dieses Buch wurde von Hilke Bultmann in eine Bühnenfassung gebracht und im Fontanejahr 2019 von Jule Kracht für das Theater der Altmark in Stendal inszeniert. Auf die Frage, welche Rolle der Roman für sie spiele, antwortete sie: „Ich hatte große Schwierigkeiten mit dem Buch. Ich habe damals (in der Schule) einfach keinen Zugang zu dem Stoff bekommen. Jetzt kam die Regie-Anfrage aus Stendal und ich dachte, warum nicht. Für mich ist das eine Herausforderung, weil ich es auch für jüngere Zuschauer so erzählen will, dass sie verstehen, was Fontane gemeint hat.“ Das ist ihr auf jeden Fall gelungen; die gezeigte Version überzeugte die Oberstufe des Havelberger Gymnasiums und schuf ein interessantes Crossover der Genre Dramatik und Epik. Die alte Geschichte – junge Frau wird an deutlich älteren Mann verheiratet, hat eine außereheliche Affäre, wird verstoßen und stirbt vom eigenen Kind entfremdet lange vor ihrer Zeit – wird pointiert vor überzeugender Kulisse erzählt. In einer Umgebung zementierter Grundsätze stellen sich Effi und damit natürlich auch dem Publikum die überzeitlichen Fragen nach Glück, Moral, nach persönlicher Freiheit und Anpassungsdruck, die jeder nur für sich selbst beantworten kann. Alles andere wäre ein zu weites Feld…

Gerade noch rechtzeitig eingetroffen! Smartphone aus und Vorhang auf.
Effi Briest ist eine der letzten Aufführungen des Stendaler Theaters, bevor es im Januar 2020 aufgrund einer energetischen Sanierung vorübergehend geschlossen wird.

Text und Fotos: Katja Thiele

Exkursion in den Bundestag

„Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir.“ Seneca

Das ist ein Spruch, der schon Jahrhunderte überdauert hat und keinem Schüler fremd sein dürfte, aber angesichts mancher Unterrichtsinhalte zuweilen eher sinnentleert erscheint. Etwas anders gelagert war die Sache jedoch am vergangenen Freitag, als die NeuntklässlerInnen gemeinsam mit Frau König und Frau Thiele ihren Container zunächst mit einem Sitzplatz im Bus bzw. in der Bahn und anschließend mit einem Stuhl im Herzen der Demokratie tauschten. Hier, im Plenum des Bundestages (wenngleich vorerst auch nur auf der Besuchertribüne, aber wer weiß…), hatten sie zunächst die Möglichkeit, einer teilweise emotional geführten und mit diversen Zwischenrufen versehenen Debatte über die von der LINKSPARTEI geforderte Einführung einer Ost-Quote in Bundesbehörden sowie der Abstimmung über die Annahme bzw. Ablehnung beizuwohnen. Das war eine für uns alle ziemlich spannende Angelegenheit, zumal keinesfalls Einigkeit herrschte, sondern sehr kontroverse Standpunkte dargelegt wurden. Letztlich wurde der Antrag auf Empfehlung des zuständigen Ausschusses von der Mehrheit der anwesenden Parlamentarier abgelehnt.

Im Anschluss daran hatten wir die Möglichkeit, den Bundestagsabgeordneten Dr. Marcus Faber (FDP) eine Stunde lang zu allen denkbaren Aspekten der Politik, seiner persönlichen Einstellung zu tagesaktuellen Themen und seinem Werdegang als Politiker zu befragen. Davon machten die meisten SchülerInnen sehr regen Gebrauch – das Interesse war riesig! Dr. Faber zeigte sich als gut aufgelegter, rhetorisch versierter und politisch engagierter Gesprächspartner, der seine Freude an den wissbegierigen NeuntklässlerInnen hatte. Dafür und für die vielen Insider-Informationen, die man im Unterricht so sonst nicht erfährt, möchten wir ihm unseren herzlichen Dank aussprechen. Und es ist keineswegs ausgeschlossen, dass er den einen oder anderen Nachwuchspolitiker irgendwann im Parlament wiedersieht!

Das Herz der deutschen Demokratie – der Bundestag im Reichstagsgebäude in Berlin.
Neuwahlen in Sicht?
Nur zwölf der 709 Politiker im Bundestag sind unter 30 – vielleicht steht hier schon die Verstärkung?
Gruppenbild mit Abgeordnetem

Text: Katja Thiele

Fotos: Katja Thiele/Dr. Marcus Faber

Unternehmenskompetenzen für die Arbeitswelt 4.0

„Optimierung ist etwas für Prozesse, Innovation für Menschen.“ Spruch

Am 27.09.2019 erhielten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10 die Gelegenheit, kostenlos den Prototypen eines Planspiels für den Wirtschaftsunterricht, der vom SITI-Junggründerzentrum unter der Leitung von Dr. Hannes König entwickelt und zur Verfügung gestellt wurde, zu testen. Das Planspiel, das den zeitlichen Umfang eines Projekttages in Anspruch nimmt, setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Zunächst sehen die Teilnehmenden ein Theaterstück, bei dem ein Unternehmer und sein Mitarbeiter sich darüber unterhalten, welchen beruflichen Werdegang Letzterer einschlagen wird. Dies stellt den Problemaufriss dar, denn die Aufgabe wird es sein, nach Durchlaufen je mehrerer Stationen in drei verschiedenen Arbeitsgruppen eine fundierte Empfehlung an den jungen Mitarbeiter auszusprechen. Bevor es aber richtig losgeht, werden zunächst in nach Zufallsprinzip zusammengestellten Gruppen Fragenkomplexe zur Berufsfindung sowie zu wirtschaftlichen Fragen allgemein bearbeitet. Anschließend folgt eine Zusammensetzung der drei Arbeitsgruppen nach Interessenschwerpunkten, die über einen Test abgefragt werden. Die erste Gruppe versetzt sich in die Rolle der Projektleitung eines bestehenden Unternehmens und kümmert sich um die Gewinnung von MitarbeiterInnen, deren Zufriedenheit mit der beruflichen Tätigkeit sowie dem Umfeld. Dazu kontaktiert sie die Geschäftsleitung sowie diverse Behörden und entwickelt Parameter für das Qualitätsmanagement. Die zweite Gruppe wird kreativ tätig, indem sie mit Hilfe einer innovativen Idee ein Startup gründet und den Weg eines Unternehmensgründers von der Gründerzentrale über Banken mit diversen Finanzierungsangeboten, bei denen man sich begründet für eines entscheiden muss, und Behörden bis hin zum Patentamt nicht nur geistig nachvollzieht, sondern auch fiktiv geht. Die dritte Gruppe übernimmt die Rolle eines Unternehmensnachfolgers. Sie erweitert die bestehende Produktpalette, indem sie ein neues Produkt entwickelt und implementiert. Dazu werden Messen sowie Banken besucht und Finanzierungsangebote verglichen. Neben dem Betreiben eines aktiven Qualitätsmanagements werden Fortbildungsveranstaltungen für die Belegschaft in Bezug auf das neue Produkt entwickelt. Die fiktive Zeit, innerhalb derer die betrieblichen Aufgaben bewältigt werden sollen, beträgt ein Kalenderjahr. Für das Planspiel stehen real ca. 90 Minuten zur Verfügung. Umgerechnet auf die tatsächlich verfügbare Zeit dauert ein Tag folglich 15 Sekunden. Die jeder Gruppe noch verbleibende Zeit wird permanent per Countdown eingeblendet. Während der gesamten Bearbeitungszeit stehen die Darsteller des Eingangsstückes den Teilnehmenden zur Seite und begleiten die einzelnen Arbeitsschritte, die in den komplexen Aufgabenstellungen abverlangt werden und nicht immer von allen ohne Probleme umgesetzt werden können. Sie werten nach der abschließenden Präsentation der Gruppenarbeiten, die in der jeweiligen Empfehlung für den Mitarbeiter gipfeln, die Arbeit mithilfe eines Punktesystems aus. Einen speziellen Bonus gibt es für besonders aktive SpielerInnen. Ihnen winkt ein Praxistag an der Seite eines Managers aus der freien Wirtschaft. Am Ende des langen und mitunter anstrengenden Projekttages steht letztlich die Erkenntnis, dass unternehmerisches Handeln in jedem Beruf bzw. in jeder Stellung der Arbeitswelt 4.0 gefragt ist, Auswirkungen auf den Einzelnen und die Anderen hat und darüber hinaus somit aktive Entscheidungen eines Jeden erfordert. Die SchülerInnen der Klassen 9,10 und 12 unseres Schulstandortes hatten die Möglichkeit, diesen praxisorientierten Unterricht zu testen und sind sich einig, dass Wirtschaft ein wirklich interessantes Fach ist, vor allem, wenn man es so aktiv erleben und in realitätsnahen Simulationen konkret handeln kann. Die dabei angewendeten Arbeitstechniken sowie die geförderten Kompetenzen in den Bereichen Planung, Entscheidung, Führung, Beurteilung Kommunikation und Medien kommen ihnen nicht nur im (Wirtschafts-)Unterricht, sondern, wie beabsichtigt, auch und gerade im Leben neben und nach der Schule zugute.

Vom Kopf auf den Zettel – manchmal schwieriger als gedacht.
„Wir liegen lieber ungefähr richtig als exakt falsch.“ Warren Buffet
Life begins at the end of your comfort zone.
Es geht voran!
Probehalber einen Kredit aufnehmen – im Planspiel kein Problem und das bevor man 18 ist.
„Freude an der Arbeit läßt das Werk trefflich geraten.“ Aristoteles

Text und Fotos: Katja Thiele

NS-Euthanasie-Tötungsanstalt Bernburg

„125 Mark sind die Ausgaben für ein gesundes deutsches Schulkind. Um wie viel Prozent teuerer kommt dem deutschen Volk ein Geisteskranker oder Krüppel?“ – Rechenaufgabe in der Zeit des Nationalsozialismus.

Seit 1989 befindet sich auf dem Gelände des Fachklinikums Bernburg eine öffentliche Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie während der Zeit des Nationalsozialismus‘. Durch die finanzielle Förderung durch die Landeszentrale für Politische Bildung Sachsen-Anhalts wurde den Schüler/innen der 11. Jahrgangsstufe des Diesterweg-Gymnasiums Havelberg ein Besuch ermöglicht.

In der Zeit von 1940 bis zum Spätsommer 1943 starben hier etwa 14000 Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten und Häftlinge aus Konzentrationslagern. Der Blick in die dunkle Zeit der NS-Diktatur wurde in eine Richtung gelenkt, die das Grauen und die Menschenverachtung auf beklemmende Weise verdeutlicht. So gab es „Erbgesundheitsgerichte“, die über die Sterilisation eines Menschen entschieden, ein Gesetz zur Unfruchtbarmachung, wenn der Mann oder die Frau nicht den Rassegesetzen entsprach, Ärzte, die Schüchternheit als Schwachsinn und nicht lebenswert diagnostizierten. Es wurde jedoch auch der Umgang mit den Tätern im Nachkriegsdeutschland am Beispiel der „Karriere“ des Horst Schumann thematisiert und darauf verwiesen, dass es bis heute ca. 400000 Opfer gibt, denen keine Rehabilitation zuteil wurde.

Besonders erschütternd war die Tatsache, dass die Tötung sogenannten „unwerten Lebens“ auch vor Kindern nicht zurückschreckte.

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ (George Santayana)

Wir wollen uns erinnern.

Quelle: https://gedenkstaette-bernburg.sachsen-anhalt.de/

Text: Marina Pokorny